Altkleider Container
One Year fair Clothes

Altkleider

Dieser Anblick ereilte mich, als ich vor ein paar Tagen aus dem Bus ausstieg. Sofort kamen mir die Begriffe „Fast Fashion“ bzw. „Pronto Moda“ in den Sinn. Beides Begriffe für ein und das Selbe: Bekleidung in minderer Qualität, die einzig dazu dient einen recht kurzen Modetrend zu bedienen.

Die Endstation solcher Mode sieht dann so aus, wie auf diesem Bild.

Man mag kaum glauben, dass die Ex-Besitzer dieser Kleidung wirklich die Zuführung ihrer Kleidung für einen guten Zweck im Sinn hatten, so achtlos, wie die Kleidung dort auf die Straße geschmissen wurde. Aber selbst wenn es so wäre, was passiert mit Kleidung, die in einen Altkleiderkontainer geworfen wird. Viele glauben noch ernsthaft, die Kleidung selbst geht in hilfsbedürftige Gebiete (z. B. Flut- oder Erdbebengebiete), um dort armen frierenden Menschen zu helfen. Weit gefehlt. Altkleider sind ein Millionengeschäft, leider wieder auf dem Rücken der Ärmsten!

Auch wenn auf diesem Container „Rotes Kreuz“ drauf steht, muss es nicht heißen, dass auch wirklich das Rote Kreuz diesen lehrt (kann, aber muss nicht sein). Viele Container sind „untervermietet“ an Bekleidungsverwertungsunternehmen. Diese Unternehmen leeren die Container und sortieren die Kleidung in unterschiedliche Kategorien.

Sehr gute Bekleidung kommt in den Handel innerhalb Deutschlands. Genau weiß ich es nicht, aber ich gehe davon aus, dass der Second-Hand-Laden Baldus in der Alexanderstraße in Aachen seine Kleidung aus solchen Quellen bezieht. Oft kamen Schütten mit Kleidung an, die vor den Augen der Kunden eingeräumt wurden.

Die nächste Kategorie ist der Markt für die Dritte Welt. Die Kleidung wird nicht dafür benutzt, um Krisengebiete zu versorgen, sondern die Kleidung kommt dort auf Märkte (ähnlich unserer Wochenmärkte), damit sich die armen Leute eine Jeans oder ein T-Shirt minderer Qualität oder schlechten Zustands für 0,50 Euro oder 1 Euro kaufen können. Die Folge: Die heimische Bekleidungsindustrie geht kaputt.

Die dritte Kategorie ist untragbare Kleidung, diese wird geschreddert und z. B. für Möbel- oder Malerdecken verwendet. Vermutlich die unbedenklichste Kategorie.

So ein Altkleiderkontainer sollte also auf keinen Fall dazu dienen, unser schlechtes Gewissen bezüglich übermäßigen Kleiderkonsums zu beruhigen. Im Gegenteil, nachdem man sich Wegwerf-Mode, die unter übelsten Umständen entstanden ist, gefördert hat, macht man mit den Altkleiderkontainern zusätzlich Märkte in der Dritten Welt kaputt.

Abhilfe schafft überlegter Kleidungskauf von hochwertiger, möglichst zeitloser Kleidung und am Ende Recycling oder Upcycling der Kleidung möglichst im Inland.

Weiterführende Links:

5 Truths the Fast Fashion Industrie doesn’t want you to know

Overdressed (ein englisches Buch über die Kosten i.w.S. von billiger Mode)

Dieser Artikel ist Teil meines Projektes „One Year fair Clothes„. Das heißt, dass ich versuche, ein Jahr nur Kleidung zu kaufen, deren Hersteller fair entlohnt werden. Dafür recherchiere ich über das Thema und verblogge meine Ergebnisse hier. Genaueres habe ich in diesem Artikel beschrieben.

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