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MMM – Spitzenrock, Glitzerrock und Blumenrock

Das war das erste Mal, dass ich Kleidung dringend brauchte, sie mir umgehend selbst nähte und auch sofort trug. Im Nähunterricht sprachen wir häufiger über die schlechte Qualität von Kaufkleidung, dass dort schiefe Nähte, schlechte Schnitte und noch häufiger schlechte Stoffqualität immer mehr Gang und Gäbe werden.

Da ich in den letzten Monaten etliche Kilos auf die Hüften bekommen hatte, passte mir meine gesamte vorhandene Sommerkleidung nicht mehr. Als ich mir eine Culotte kaufte und nach dem Waschen feststellte, dass der Gürtel nur geklebt und nicht genäht war, reichte mir das und ich fing an, mir tatsächlich zwei Sommerröcke von einem Tag auf den anderen zu nähen und ins Büro zu tragen. Der dritte Rock stammte bereits aus dem November letzten Jahres, aber er ist das Stück, das mir Mut machte, einfach zu machen, anstatt stundenlang Schnittmuster zu wälzen, einen komplizierten Schnitt zu wählen und am Ende doch nichts fertig zu bekommen.

Glitzerrock

Der Rock aus dem November entstammt einem Upcycling-Workshop in meiner Nähschule. Er entstand aus Musterstoffen. Das waren 9 Rechtecke, die einem Stoffgeschäft als Musterproben geschickt wurden. Zunächst setzte ich die Rechtecke alle symmetrisch zusammen, nähte am Bund einen Tunnel und zog ein Gummiband ein. Das Ergebnis war bescheiden. Nach langem hin und her überwand ich meine Symmetrie-Macke und schnitt beherzt eine A-Linie zu. Als Bund wählte ich ein Gummiband, dass ich zunächst rechts auf rechts von außen aufnähte und anschließend nach innen wendete und von außen mit einem Coverstich fixierte. Am fertigen Rock sieht man den Bund also nicht.

Spitzenrock

Als ersten Sommerrock nähte ich den Spitzenrock. Er hatte eine gewellte Kante der Webkante entlang, die ich abschnitt (meine Nählehrerin bestätigte mir später, dass das tatsächlich so gedacht ist, dass man die Webkante abschneidet). Da der Stoff ein Reststück war, ergaben sich die Maße des Rockes fast automatisch.

Mein Taillenumfang abzüglich ca. ein bis zwei Zentimeter Dehnung ergab das Maß des Gummibandes. Das Maß des Gummibandes geteilt durch 2 zuzüglich 2 cm ergab die einfache Bundweite des Rockes. Am unteren Saum nahm ich die vorhandene Länge des Stoffes und zog vom Bund zum Saum zwei Linie, so dass ich wieder einen ganz leichten A-Linien-Rock hatte. Das Futter schnitt ich ca. 20 cm kürzer zu und schloss bei Rock und Futter die Seitennähte mit der Overlock.

Dann nähte ich Ober- und Unterrock am Bund mit der Overlock zusammen. Anschließend nähte ich das Gummiband mit einem Zickzackstich von außen auf den Bund. Das Gummiband wurde während des Nähens gedehnt.

Der Rock selbst gefiel mir gut, allerdings hatte ich keine wirklich geeigneten Oberteile dazu 🙁 Die Kombi, die ich am ersten Tage wählte (1. Bild), gefiel mir nicht und alles andere aus dem Kleiderschrank dazu auch nicht. Also werde ich demnächst wohl noch geeignete Oberteile nähen müssen 😉

Blumenrock

Als letztes entstand der Blumenrock. Den fertigte ich nach genau dem gleichen Prinzip, wie den Spitzenrock, nur dass ich den Saum umschlug und vernähte. Hier hatte ich diverse Shirts und Jogginghosen später gelernt, dass ich den Saum nicht zu knapp umnähten darf, da er sich sonst irgendwann nach außen dreht.

Außerdem verabschiedete sich gerade bei dem Stück meine Coverlock, so dass ich auf die Zwillingsnadel zurückgreifen musste. Auch hier hatte ich ein Aha-Erlebnis. Bisher wurden meine Nähte mit der Zwillingsnadel immer etwas „wurstig“, aber die Lockerung der Fadenspannung (bei mir auf 5 von 7 möglichen), brachte ein wunderbares Ergebnis zum Vorschein, so dass ich glatt wieder auf die Zwillingsnadel umsteigen könnte 😀

Im Gegensatz zum Spitzenrock passten hier meine T-Shirts (noch gekauft) sehr gut dazu. Mein Mann und meine Nählehrerin waren etwas skeptisch mit der Länge, aber mir gefällts.

Material

Die Stoffe für die Sommerröcke lagen schon sehr lange in meinem Regal. Den Spitzenstoff und den unterlegten Viscosejersey hatte ich bei Prym in Stoffberg (der Fehler war zu schön, den musste ich lassen 😆 ) Stolberg erstanden. Das goldene Gummiband stammt von Stoff-Ideen aus Hannover. Der blumige Viscosejersey war ein Rest und wurde mir wärmstens von der Verkäuferin von Der Stoff aus Würselen empfohlen (die ist immer sehr ruppig, aber verkaufen kann se). Das schwarze Gummiband stammt von Krümel-Design aus Simmerath. Die Glitzer-Rechtecke wurden mir im Zusammenhang des Workshops zur Verfügung gestellt.

Verlinkt beim Me Made Mittwoch im September.

Die Quellennennungen dienen der besseren Zuordnung des fertigen Stückes (genauere Erläuterung hier). Sie können als Werbung gedeutet werden, sind aber unbezahlt und ohne Beziehungen zur Quelle.

4 Kommentare

  • Anja

    Der Blumenrock gefällt mir ja am allerbesten, ein schöner Stoff, interessant ist auch der Rock aus den verschiedenen Reststücken, cool, was ihr im Nähkurs so macht und das mit dem geklebten Gürtel ist ja wirklich gruselig, lg Anja

  • royalwyvern

    Oooh, der Blumenrock ist tatsächlich toll!
    Ich muss aber sagen, der Glitzerrock war erst nicht so mein Fall als ich ihn auf dem Titelbild liegend gesehen habe, aber getragen ist der ja der Hammer. Find ich fast noch besser als den Blumenrock, obwohl ich normalerweise gar nicht auf gestückelte Kleidung stehe …. allerdings auf Glitzer 😀

    Ja, gekaufte Kleidung macht wirklich keinen Spaß mehr, das tu ich mir auch nur an wenn ich muss. Selbst höherpreisige Kleidung ist oft nur noch grottig verarbeitet, da lohnt sich das selbermachen doch immerhin gleich doppelt.

    • V. vom Venn

      Vielen Dank. Geht mir ähnlich, ich würde keinen gestückelten Rock z. B. aus bunter Baumwolle wählen, aber diese Stoffe waren der Hammer und fügten sich ganz gut.

      Stimmt, selbst bei hochpreisiger Kleidung wird immer mehr Polyester und Elastan verwendet, die Stoffe werden immer dünner und die Verarbeitung ist auch nur so mittel. Bin gespannt, ob ich meinen Vorsatz mehr zu nähen umsetzen kann. Liebe Grüße

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