Unterhose
One Year fair Clothes

Obsoleszenz auch bei Unterhosen?

Kennt ihr auch das Phänomen, dass scheinbar wie von Geisterhand alle Unterhosen gleichzeitig kaputt gehen? Also mir ging das so. Vor ein paar Tagen fing es an. Unterhose Nr. 1 kam völlig zerlegt aus der Waschmaschine und dann folgte ihr jeden Tag eine weitere in den Müll. Könnte es sich hier um eine Obsoleszenz handeln? Obsoleszenz bedeutet, dass Dinge so gestaltet werden, dass sie, obwohl ansonsten noch vollkommen in Ordnung, an einer Stelle, in einer bestimmten Zeit, beabsichtigt, kaputt gehen, so dass sie nicht mehr brauchbar sind. Eine große Auswahl an Obsoleszenzen findet man hier: Murks – Nein danke!

Früher wurden in die Unterhosen Gummibänder mit einem Umschlag eingenäht und hielten oft ewig. Leierten die Gummibänder aus, wurden sie mit ein paar einfachen Handgriffen ersetzt. Heute sind dünne Gummischnürchen aufgenäht. Dieses Aufgenähte ist z. T. nicht vernäht, so dass sich die Naht für die Gummischnüre nach einer bestimmten Anzahl von Wäschen aufrippeln und das Gummi getrennt von der Unterhose irgendwo in der Waschmaschine rumfliegt. Neues Gummi einziehen? Fehlanzeige! Es bleibt eigentlich nur das Wegwerfen, obwohl der Stoff an sich noch mindestens hundert weitere Wäschen überstanden hätte. 

Nun mussten neue Unterhosen im Sinne des Projektes her. Was tun? Hatte ich vorher im Internet schon diverse Händler gefunden, die mit fairen Unterhosen handeln, tat sich mir plötzlich und unverhofft eine ungeahnte Quelle vor Ort auf: denn’s Biomarkt, Alexianergraben 9 in Aachen, direkt an der Bushaltestelle „Alte Post“ stadtauswärts. Eigentlich wollte ich dort nur einen Eistee und etwas Naschis für die Wartezeit auf den Bus kaufen, da sah ich auf dem Weg zur Kasse, dass sie auch Fair-Trade-Unterwäsche verkaufen. Also kaufte ich meine neue Unterwäsche hier. Der Spaß war nicht ganz billig. Eine faire Unterhose kostet 12,95 Euro, aber da musste ich nun durch.

Zu Hause angekommen wurde ich neugierig. Hält eine faire Unterhose genauso lange, wie ein billige, länger oder kürzer? Also kaufte ich am nächsten Tag noch einmal Vergleichsunterhosen und zwar dort, wo ich vor meinem Projektbeginn immer meine Unterhosen kaufte. Dort kosteten drei Unterhosen 7,99 Euro und sind Made in Bangladesh. Zu Hause angekommen, musste ich die neuen Unterhosen kennzeichnen, da ich ja bereits etliche davon im Umlauf habe. Dies tat ich, indem ich von den Mittlerweile sieben (!) Etiketten nur eins drin lies (dort stand alles wichtige, wie Waschanleitung, Herkunft und Zusammensetzung drauf). Die faire Unterhose erkennt man aufgrund ihres GOTS-Logos sehr gut.

Von der Zusammensetzung sind beide gleich, 95% Baumwolle und 5% Elasthan. Auch der Schnitt und die Art des vernähten Gummis ist identisch (Gummischnüre aufgenäht), allerdings merkt man am Griff schon, dass die faire Unterhose viel fester gewebt ist. Nun führe ich beide Unterhosen meinem Nutzungskreislauf zu und bin echt mal gespannt, welche es länger macht. Um einen guten Vergleich zu haben, kaufte ich noch zwei weitere faire Unterhosen nach, so steht es drei zu drei und evtl. Ausreißer beim Verschleiß werden ausgeschlossen. Die gleichstarke Nutzung ist gegeben, da ich nicht zu viele Unterhosen habe und alle in gleichen Abständen wasche.

Edit: Am Ende hielten beide Typen recht lange, allerdings musste ich sie vor dem endgültigen Zerfall aussortieren, da sie mir nicht mehr passten. Inzwischen beziehe ich meine Unterhosen bei einem deutschen Hersteller. Die Gummis sind zwar auch nur aufgenäht und rippeln sich auf, aber jetzt weiß ich, wie man diese ersetzen kann. Trotzdem glaube ich weiterhin, dass diese Form von Gummiband in den Unterhosen dazu dient, sie schneller verschleißen zu lassen.

Dieser Artikel ist Teil meines Projektes „One Year fair Clothes„. Das heißt, dass ich versuche, ein Jahr nur Kleidung zu kaufen, deren Hersteller fair entlohnt werden. Dafür recherchiere ich über das Thema und verblogge meine Ergebnisse hier. Genaueres habe ich in diesem Artikel beschrieben.

Die Quellennennungen können als Werbung gedeutet werden, sind aber unbezahlt und ohne Beziehungen zur Quelle. Demnach kann der Artikel im redaktionellen Sinne völlig frei gestaltet und sowohl positive als auch negative Äußerungen über das Produkt beinhalten (mehr dazu siehe hier).

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.