Stoffregal

Sommer-Rock-Sew-Along: Das Abenteuer beginnt.

Heute zeigt uns Sybille beim Sommer-Rock-Sew-Along bei MMM, dass ein Rock ganz einfach gehen kann. Davon bin ich weit entfernt.

Bei unserem letzten Sew-Along-Termin stellte ich meinen absoluten Wunschrock vor: Den Rock ohne Schnitt im Stil von Dolce & Gabbana aus der Fashion Style 04/2016.

Im Prinzip ist es immer noch mein Wunschrock, allerdings hätte ich den letzten Termin mit dem Thema „Inspiration, Schnitte, Materialien“ etwas ernster nehmen sollen, denn den Stoff, den ich mir vorgestellt hatte, fand ich nicht. Ich wollte Blockstreifen in hellrosa oder hellblau, damit dieser Stoff gut zu den Aufnähern aus der Stoffkiste meiner Mutter passt.

Auf der Suche nach dem passenden Stoff, stolperte ich über einen Jeans-Stretch-Stoff mit floralem Muster, in den ich mich schon vor Monaten verliebt hatte, nur nicht wusste, was ich aus ihm machen sollte. Nun lag er wieder vor mir. Er war reduziert und der Ballen war schon fast leer. Und nun wusste ich, daraus könnte ein schöner Sommerrock werden. Also landete dieser Stoff und dazu passender Futterstoff in meiner Einkaufstasche.

Jetzt hatte ich zwar einen Stoff, aber keinen Schnitt dazu. Also wälzte ich zu Hause Zeitschriften und fand dabei ganz andere Schnitte, die nichts mit dem Stoff zu tun hatten. Ich überlegte, ob es ein Fehler war, den Jeans-Stoff zu kaufen und ich lieber zu den gefundenen Schnitten passenderen Stoff beschaffen sollte.

Dann fand ich in einem Laden Stoff mit Stand und Blockstreifen (ohne Stand mit Blockstreifen wäre nicht das Problem gewesen), allerdings schwarz und nicht, wie gewünscht, pastellfarbend. Ich nahm ihn trotzdem mit und hatte nun zwei Projekte: Einen Jeans-Rock und einen Rock im Dolce & Gabbana-Stil. Die vorhandenen Aufnäher passten zu dem Schwarz leider nicht, also musste ich dort auch wieder auf die Suche gehen.

Wieder zu Hause war die Suche nach dem geeigneten Schnitt noch nicht zu Ende. Nach langem Suchen fand ich dann endlich einen Schnitt für den Jeans-Stretch-Stoff (F.I.M.I. Winter 2004, Modell 2777) und einen weiteren Schnitt für eine Shorts mit einer Blende davor (Burda Moden 3/98 Modell 103 ♥), die die Shorts wie einen Rock erscheinen lässt. So etwas fand ich schon immer gut, also überlegte ich, ob ich das nicht auch noch nähen könnte.

Erwähnte ich bereits, dass ich bisher keinen Sew Along fertig bekam?

Dann ging es an die Entwicklung des Stoffschnittes für den Blockstreifen-Rock und ich überlegte, ob mir der Rock mit den Blockstreifen überhaupt stehen wird. Nicht wegen der Blockstreifen, sondern wegen dem Schnitt. Ich befürchtete, dass der Rock mir am Ende zu weit ausgestellt sein könnte. (Links der ungefähre Rockschnitt, rechts wie er eher meiner Vorstellung entsprechen sollte.)

Somit überlegte ich, ob ich nicht vorher einen Proberock nähen sollte, um die Proportionen besser einschätzen zu können. Schwupp, hatte ich Projekt Nr. 4 eröffnet.

Bei der Suche nach Probestoff bin ich dann fast wahnsinnig geworden. Alle meine Stoffe erachtete ich als zu schade oder ungeeignet für einen Proberock. Dann kam ich auf die Idee, dass ich an meinen „Alte-Jeans-Haufen“ gehen und aus einer alten Jeans einen Musterrock nähen könnte. Ich zog eine Hose nach der anderen aus dem Stapel und fand noch alte Jeans mit Schlag. Nein, Schlag wird gerade wieder modern, die Jeans kann ich unmöglich für den Musterrock nehmen. Nein, die Jeans geht auch nicht, die hat mich auf meinem Trip nach London begleitet, da sollte auf jeden Fall eine Andenken-Tasche draus werden usw. usf.

Einfach mal so hinsetzen, einen Stoff nehmen und losnähen, kann ich nicht. Dabei hatte ich mir für dieses Jahr ganz fest vorgenommen, unbedingt mutiger mit Stoff umzugehen. Das scheint ein längerer Prozess zu werden.

Meine Vermutung ist, dass ich dieses Verhalten angelernt bekam. Meine Oma, die mich besonders geprägt hat, hatte zwei Weltkriege und sehr, sehr viele Entbehrungen erleben müssen. Sie hat aus dem letzten Fetzen Stoff noch wahre Wunder vollbracht und sie hat mir einen sehr vorsichtigen und umsichtige Umgang mit Stoff gelehrt, der mir heute leider sehr oft im Wege steht. Manchmal habe ich echte Hemmungen in einen Stoff zu schneiden, so viel Respekt habe ich vor ihm. Dabei wäre es überhaupt nicht schlimm. Ich habe eine riesige Stoffsammlung, die ich mal sehr günstig bei ebay ersteigert hatte (vermutlich auch von einer Kriegsgeschädigten, die diesen im Keller gehortet hatte) und wir leben in einer Zeit, in der es hunderte von Quellen für den Stoffkauf gibt. Stoffe werden in naher Zukunft ganz gewiss nicht ausgehen. Das sagt der Verstand. Mein Herz kann einfach nicht anders. Ich werde wohl noch eine Weile kämpfen müssen.

Ich entschied mich, zunächst den Schnitt von F.I.M.I. abzupausen und dafür auch ein Probestück aus einem Nesselstoff, den ich vor einiger Zeit für rund 2 Euro den Meter bei Ikea erstanden hatte, zu nähen und wenn der gut sitzt, daraus den Schnitt für den Blockstreifen-Rock abzuleiten. Eigentlich war der Nesselstoff für ein Taschenfutter bestimmt, aber als ich ihn aus der Waschmaschine holte, war er so stark zerknittert, dass mir klar wurde, dass ich mit diesem Stoff keine Freude haben werde.

Bei der Gelegenheit fiel mir ein, dass meine Oma ihre Nähstücke auch immer aus Nesselstoff vornähte. Für mich selbst hatte ich das nie in Betracht gezogen, da ich in den Stoffgeschäften Nesselstoff immer für 6 Euro den Meter aufwärts gesehen hatte. Bei dem Meterpreis hätte ich oft genauso gut den Stoff, den ich vernähen wollte, in doppelter Länge kaufen und daraus ein Probestück nähen können. Es wunderte mich, dass meine Oma diesen Stoff für Probestücke nahm. Aber vermutlich war damals die Preisspanne eine andere. Jetzt mit dem Ikea-Stoff habe ich nun endlich auch für mich die perfekte Lösung gefunden.

Bei den Vorbereitungen für das Schnittkopieren fiel mir auf, dass es in der gesamten Zeitschrift F.I.M.I. Winter 2004 keine Tabelle für Größenangaben gibt. Alle Schnitte sind in den Größen S, M und L ausgegeben, aber kein Hinweis auf vergleichbare europäische Größen (F.I.M.I. ist eine Zeitschrift aus den Niederlanden, die vermutlich in vier weiteren Ländern aufgelegt wurde (die Markierungen auf dem Schnittmuster sind fünfsprachig beschriftet). Also nahm ich Maß und stellte fest, dass ich eine M nehmen müsste. Sicherheitshalber verglich ich die Maße auch noch einmal mit einem mir passenden Rock.

Als nächstes stellte sich mir die Frage, ob bereits die Nahtzugaben in dem Schnitt enthalten sind? Bei dem Rock stand nichts dabei, aber bei allen anderen Modellen in dem Heft stand immer: Die Maße sind zuzüglich der Nähte. Woraus ich die Nahtzugaben schloss. Also pauste ich den Rock Gr. M ab.

Das Abpausen war einfach, da der Schnittbogen so klein war, dass er sogar auf unseren kleinen Wohnzimmertisch passte. Ich brauchte also mal nicht auf dem Fußboden rumkrauchen, welch Freude. Auch waren nicht besonders viele Schnitte auf dem Schnittbogen abgebildet, so dass ich meine Linien sofort fand.

Das Übertragen auf den Stoff und der Zuschnitt waren auch sehr einfach, da ich zunächst nur das Probestück nähte und somit meine inneren Hemmungen nicht überwinden brauchte und sehr mutig zuschneiden konnte. Ebenso beim Nähen gab es keine besonderen Vorkommnisse, wobei die Beschreibung aus dem Heft schon manchmal sehr eigenartig war. Das muss mit der Übersetzung zusammenhängen. Hier eine kleine Kostprobe: „Das Faserband ab den Besatzlinien bis zur Unterkante auf der guten Seite des Rockes anheften.“

Da das Rockmodell eher ein Standardmodell ist, konnte ich zum Glück auf die Beschreibung weitestgehend verzichten und für den Schlitz fand ich eine gute Anleitung im Internet.

Bevor ich die Seiten zusammennähte, steckte ich sie erst zusammen und probierte den Rock an. An der Taille war er fast ein Stück zu weit, aber an der breitesten Stelle der Hüfte fehlten ein paar Millimeter. Da ich zwei Zentimeter Nahtzugabe zuschnitt, war das kein Problem. Ich markierte mir die entsprechende Stelle und ging beim zusammennähen an den Stellen von zwei Zentimeter Nahtzugabe einfach auf eineinhalb Zentimeter. Nach dem Steppen probierte ich den Rock erneut an und er passte perfekt. Einzig die Länge musste noch etwas angepasst werden. Als ursprüngliche Länge waren 47 cm vorgesehen, die waren mir eindeutig zu kurz. Meine schon im Schnittteil angepassten 57 cm + 2 cm Nahtzugabe waren allerdings zu lang. Ca. 53 cm + Nahtzugabe sind die ideale Länge (im Bild entsprechend abgesteckt). Das werde ich bei dem Hauptstück mit berücksichtigen.

Hinten steht der Rock etwas ab, weil kein Reißverschluss eingenäht ist.

Hier sieht man schön eine fiese Falte (nein, das ist keine Naht).

Die eine Seite beult etwas, da die Naht etwas schief genäht ist.

Ich hatte insgesamt ungefähr zweieinhalb Stunden für das Schnittkopieren und das Nähen des Proberocks gebraucht. Nun mache ich erst einmal Pause. Vielleicht fange ich nachher an, den Jeans-Stretch-Stoff zuzuschneiden.

Aber zunächst schaue ich mal bei den anderen vorbei.

So sieht der Terminplan des Sommer-Rock-Sew-Alongs aus:
05.06.2016Inspiration, Schnitte und Materialien
12.06.2016Es geht auch ganz einfach: Sybilles „Ein Tag ein Rock-Workshop“
19.06.2016 – Details, Details, Details – Rockbund, Taschen und Säume
26.06.2016 – Finale: Der Sommer und die Sommerferien können kommen!

3 Kommentare

  • .Meike

    Hui, in den 2,5 Stunden sind aber die vielen Gedanken und der lange Blogpost nicht miteingerechnet 🙂 Für nen gutsitzenden Rock bedarf es Vorbereitungen und Gedanken, Gummizug und Wallewalle kann ja jede. Ich bin gespannt, was du uns zum Finale zeigst!

    • Tina

      Hallo Meike, da sagst du natürlich was! Für diesen Mammut-Post und die unendlich vielen Gedanken habe ich eine Woche gebraucht (habe immer nebenbei meine Gedanken in den Entwurf geschrieben). Definitiv gepaust, geschnitten und genäht habe ich 2,5 Stunden. Das steht auch ungefähr in dem Verhältnis, wie bei mir immer die Gedanken zum tatsächlichen Nähen stehen 😉
      LG Tina

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